Nachrichten aus dem Bildungszentrum Seligenthal

50 Jahre Sozialwissenschaftlicher Zweig

Bayernweiter Festakt in Seligenthal


Vorankündigung zum bayernweiten Festakt – 50 Jahre Sozialwissenschaftliches Gymnasium am Gymnasium Seligenthal

Am 18. September wird am Gymnasium Seligenthal das 50-jährige Jubiläum der Sozialwissenschaftlichen Gymnasien in einem gemeinsamen Festakt gefeiert. Schirmherr und Festredner der Veranstaltung ist Ministerpräsident Horst Seehofer.

In Bayern führen derzeit mehr als 50 Gymnasien diesen Zweig, in Seligenthal besteht er bereits seit seiner Gründung im Jahr 1965. Ausgangspunkt des sozialwissenschaftlichen Zweigs war es, so Ursula Weger, Schulleiterin des Gymnasiums Seligenthal, einen Übertritt ans Gymnasium generell attraktiver zu machen, da der humanistische wie der naturwissenschaftliche Zweig sowohl bei den Mädchen, als auch bei deren Eltern wenig Anklang fand. Außerdem war man auf der Suche nach neuen Ressourcen für Lehr- und Sozialberufe, die durch den Rückgang von Ordensleuten immer mehr von Nicht- Klösterlichen übbernommen werden mussten. Nachdem viele Mädchen überdies das Gymnasium nach der zehnten Klasse verließen, wurden am Kultusministerium Konzepte entwickelt, die im Herbst 1965 schließlich in die Einführung des sozialwissenschaftlichen Zweigs an 26 bayerischen Gymnasien mündeten. Damals schon mit zwei Jahrgängen dabei: Das Gymnasium Seligenthal, das den Zweig bis heute als einziges Gymnasium zwischen München und Straubing führt. „Es war damals ein hochaktueller Zweig und ist es bis heute“, sagt Ursula Weger. Das Schulprofil (einsetzend mit der neunten Klasse) sah bei der Sprachenfolge Englisch/Latein oder Englisch/Französisch eine Stärkung musisch-künstlerischer Fächer auch eine Stärkung von Biologie und Chemie vor – als Grundlage besonders „weiblicher“ Themen wie Gesundheitslehre, Säuglingspflege und Nahrungsmittellehre. Statt einer dritten Fremdsprache wurde Sozialkunde Kernfach. Das Abiturthema 1968: „Die Rolle der Massenmedien im Prozess der politischen Willensbildung der Bundesrepublik“. Trotz der anspruchsvollen Ausrichtung hatte der sozialwissenschaftliche Zweig vor allem bei Eltern zunächst ein Imageproblem: Da nämlich auch Hauswirtschaftsunterricht auf dem Stundenplan stand, war zunächst vom „Knödelabitur“ die Rede.

Schnell genoss der Zweig in Seligenthal (wo es noch einen musischen und einen neusprachlichen Zweig gibt) jedoch regen Zuspruch: Bis heute besuchen bis zu zwei Drittel eines Jahrgangs das Sozialwissenschaftliche Gymnasium. Seit der Einführung des G8 im Jahr 2004 wird Sozialkunde in den achten bis zehnten Klassen als Kernfach in 15 Wochenstunden gelehrt (statt einer Wochenstunde in den anderen Zweigen). Außerdem ist ein Abitur in Sozialkunde möglich und nicht, wie in den anderen Zweigen, nur in Kombination mit Geschichte. Außerdem konzentriert man sich zunehmend auf Team- und Projektarbeit in der sozialpraktischen Grundbildung. Es gibt Exkursionen zum Erleben „sozialer Realität“ , Planspiele und Diskussionen mit Mandatsträgern.

Insgesamt habe der Zweig, so Weger, verstärkt eine interdisziplinäre Ausrichtung erfahren, bei der immer mehr auch Themenfelder wie Ökologie, Inklusion und Migration behandelt werden. Die Abiturthemen 2014: „Bevölkerungsdynamik in Deutschland und Europa“, „Partizipation in politischen Systemen“ „Soziale Ungleichheit in globaler und nationaler Perspektive“. Für Ursula Weger, die seit zwei Jahren auch Sprecherin des Arbeitskreises der Sozialwissenschaftlichen Gymnasien ist, hat der Zweig seit 2004 nochmals eine Qualitätssteigerung erfahren, die sich auch bei der Entwicklung ihrer Schüler bemerkbar mache: „Die Jugendlichen sind ohne Zweifel bewusster geworden. Das sieht man nicht zuletzt an der Politischen Litfaßsäule bei uns im Schulhaus, wo die Jugendlichen auf Themen hinweisen, die sie bewegen. Dabei geht es auch um bewusste Ernährung.“

Apropos: Seit 2004 hat sich auch die Sache mit dem „Knödelabitur“ endgültig erledigt – der Hauswirtschaftsunterricht ist nämlich weggefallen. Wobei Kochen in Seligenthal mittlerweile sowohl bei Mädchen wie bei Buben ein höchst beliebtes Wahlfach ist.


Autor: LZ Redaktion -ku- | Datum: 27.04.2015